TagSchwimmbad

Der Papa mit dem Schwimm-Trauma

Ich habe es sicher schon erwähnt: Ich hasse Schwimmen und Schwimmbäder. Wasser mag ich beim Duschen und zum Trinken.

Das sind harte und absolute Aussagen. Und wenn ich drüber nachdenke. Ich weiß nicht einmal mehr, ob sie in dieser Form noch stimmen.

Am Wochenende hat mich Marc genötigt, mit ihm ins Schwimmbad zu gehen. Er liebt es, ins Schwimmbecken zu steigen. Ich würde nicht davon sprechen, dass er eine Wasserratte ist. Er hat ziemlichen Respekt vor dem Wasser – das ist gar nicht schlecht, eigentlich.

Das Schwimmen hat ihm meine Frau beigebracht. Sie wollte es so. Alle um uns herum schicken ihre Kinder frühest möglich in einen Schwimmkurs. Meine Frau sagt, es muss doch auch Dinge geben, die die Kinder von uns lernen. Man muss die Verantwortung doch nicht für alles abgeben.

Marc kann schwimmen. Es wirkt alles ein wenig hektisch. Er kommt nicht recht ins Schweben. Der Po ist zu schwer – obwohl er alles andere als das ist. Es mangelt irgendwie an der richtigen Technik. Runde um Runde sind wir im Bensheimer Basinus-Bad geschwommen. Unterbrochen haben wir die sportliche Betätigung mit einigen Rutscheinlagen auf der großartigen Tunnelrutsche.

Ich selbst habe spät Schwimmen gelernt – in einem Schwimmkurs. Es ist mir nie leicht gefallen. Und dann hatte ich insgesamt vier Jahre Schwimmen in der Schule. Das hat mich traumatisiert. Wenn ich heute höre, dass jemand mehr als zehn Bahnen Schwimmen kann, ohne in Schwierigkeiten zu geraten nötigt mir das gehörigen Respekt ab. Freistil habe ich nie gelernt, obwohl ich es in der Schule wohl gemacht habe, weil ich es musste.

Und doch sucht der Traumatisierte immer wieder Kontakt zum Wasser.

Und doch sucht der Traumatisierte immer wieder Kontakt zum Wasser.

Mein Verhältnis zum Wasser wäre ohne die Qualen in der Schule ein anderes, glaube ich. Doch jetzt habe ich die große Chance, dieses Trauma zu überwinden, mit den Kindern.

Die zwei Stunden in der Schwimmhalle mit Marc waren schlicht großartig. Wir hatten gemeinsam Spaß, haben uns aufeinander konzentriert. Wir haben viel geredet. Das war echte Qualitätszeit. Tom ist auch ein Wasserfreund. Paukenröhrchenbelastet ist Schwimmbad aber tabu. Wir hoffen, dass er bald ohne die Röhrchen auskommt. Dann wird auch er Schwimmenlernen. Und wieder werden wir es versuchen, wenn wir auch immer wieder daran denken, dass es Schwimmer besser vermitteln können – und auch die Inhalte über Dritte besser bei den Kindern ankommen. Und Nora ist aus dem Wasser gar nicht heraus zu bekommen, wenn sie im Schwimmbad, am See oder am Meer ist. Da kommen noch einige Stunden in Schwimmbädern aller Art auf uns zu, denke ich. Aber warum eigentlich nicht. Der Papa mit dem Schwimm-Trauma sieht Land.

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Freischwimmen

Ich habe es getan. Ich war mit Marc im Schwimmbad. Und: Es war eigentlich ganz entspannt und entspannend. Mir war es ganz recht, dass kein Freibadwetter war. So waren wir im Bensheimer Basinus-Bad im Innenbereich.

Dort gibt es vier verschiedene Becken und eine Riesenrutsche. Es gibt ein Babybecken, ein Actionbecken mit Wasserfall, Rundumschwimm-Bereich und Wellen-Sektor. Tiefe vielleicht 1,40 Meter. Und dann gibt es noch ein einfaches, variables Becken, das am Samstag auf 90 Zentimeter Tiefe stand. Das Schwimmerbecken ist auch da, aber nichts für uns.

Am Ende der gut 90 Minuten konnte Marc auf jeden Fall recht gut mit dem Schwimmbrett umgehen. Er hat seine Art der Fortbewegung. Und darauf besteht er. Meine Versuche, ihm allgemein anerkannte Schwimmbewegungen beizubringen, sind mehr oder weniger kläglich gescheitert. Aber eigentlich soll er ja vor allem die Scheu vom Wasser ablegen und merken, das man es zu irgendetwas nutzen kann. Sogar das Duschen vorher und nachher hat funktioniert. Wir gehen auf jeden Fall wieder ins Schwimmbad – und dann traut sich Papa vielleicht auch auf die Riesenrutsche.

Beim Föhnen der Haare gab es noch einen schönen Kurzdialog:

Marc (zeigt auf meine hohe Stirn): Papa, warum hast Du da so wenig Haare?

Papa: Das ist bei mir eben so. Das wird bestimmt noch weniger.

Marc: Papa, wird das bei mir auch einmal so aussehen?

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Schlechte Eigenschaft

Für einen Vater von zwei kleinen Kindern habe ich mindestens eine schlechte Eigenschaft. Ich hasse Wasser – oder andersherum: Ich akzeptiere Wasser zum Waschen und vor allem Duschen und als Getränk. Was darüber hinaus geht, ist mir ein Graus.

Jetzt nervt mich Marc schon seit einigen Wochen, ich möge doch endlich einmal mit ihm ins Schwimmbad gehen. Es kommt die Stunde, da ich den Kelch nicht mehr an mir vorübergehen lassen kann. Vielleicht ist es sogar schon an diesem Wochenende so weit.

Ich war nie eine Wasserratte. Ich habe vergleichsweise spät Schwimmen gelernt. Kraulen kann ich bis heute nicht. Ich hatte aber auch nie ein entsprechendes Bedürfnis. Marc will aber plantschen und schwimmen üben. Also rein ins erfrischende Nass.

Die Liebe zum Wasser wurde mir früh vergällt. Schuld ist das Schulschwimmen. Vier Schuljahre lang wurde ich damit gequält. Endloses Einschwimmen, Schwimmen auf Zeit, tauchen, springen. Horror.

Jetzt spüre ich schon wieder einen Druck. Ich muss vermitteln, dass Wasser Spaß macht, dass man keine Angst davor haben muss und dass Schwimmen ein gesunder Sport ist, der viel für Körper und Geist macht.

Dazu kommt ja noch, dass auch in meiner körperlichen Verfassung das Thema Schwimmen durchaus einen Platz in meinem Leben einnehmen sollte. Ich werde es jetzt also wagen. Positiv Denken – und dann geht der Papa vielleicht eines Tages auch wieder einmal alleine und ganz freiwillig ins Wasser. Vielleicht sind die Kinder auch hier eine Chance – wie so oft.

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