TagTod

Die Endlichkeit, unvermittelt

Doch, ich kann das wirklich sagen. Es war ein feiner Geburtstag, den ich heute verbringen durfte. Normalerweise mache ich an meinen Geburtstagen nicht frei. Heute hatte es sich so ergeben. An Marcs Schule gab es einen pädagogischen Tag, schulfrei also. Nora ist noch ein bisschen angeschlagen – sie sollte also sowieso zu Hause bleiben. Und heute früh kam auch Tom ans Bett geschlichen: „Papa, kann ich heute auch zu Hause bleiben?“ Klar, was für eine Frage.

Die Geburtstagsfeierlichkeiten haben eigentlich schon am Freitag begonnen. In einer ruhigen Minute hat Marc sein Geschenk für mich geholt. Ich sag noch: „Marc, willst Du mir das wirklich schon heute geben?“ Meine Frau: „Das muss so sein. Wir haben nämlich Deinen Sonntag verplant.“ Da habe ich akzeptiert.

Ich bin nun wirklich kein so richtiger Fußball-Fan, der einem Verein den Vorzug vor anderen gibt. Wenn ich aber mit einem Club mitfiebere, dann natürlich mit dem SV Darmstadt 98 – aus lokaler Verbundenheit. Kürzlich haben Marc und ich das Derby gegen den OFC als Live-Stream am Computer zusammen geschaut. Das war ein wichtiges und aufregendes Spiel. Mit dem richtigen Sieger. Also hat Marc beschlossen, mir ein Ticket für ein Heimspiel der Lilien zu schenken. Unterstützt von seiner Mutter wurde also ein Online-Ticket besorgt – für das Kellerduell gegen Rot-Weiß Erfurt. Das war eine echt tolle Idee von ihm. Er hat sich wohl gegen die Widerstände meiner Frau durchsetzen müssen.

Also gingen wir gestern zum Bölle (Stadion am Böllenfalltor, für alle Auswärtigen). Es war ein schönes gemeinsames Erlebnis, wenn auch das Spiel katastrophal und das Endergebnis ernüchternd war. Mit 0:1 ging das Spiel verloren, damit haben die Lilien die Rote Laterne in der 3. Liga übernommen. Die Mannschaft war so schlecht, dass einVerbleib in dieser Spielklasse unwahrscheinlich ist. In der 2. Halbzeit war Marc arg frustiert, er wollte das Stadion schon in der 60. Minuter verlassen, obwohl der Gegentreffer erst in der 64. Minute fiel. Nach dem Schlusspfiff sagte der kleine Mann: „So habe ich mir das nicht vorgestellt.“ Schon auf der Heimfahrt mit der Straßenbahn war aber wieder alles vergessen.

Heute nun gab es die Gelegenheit, viel Zeit mit den Kindern zu verbringen, am Nachmittag kamen meine engsten Verwandten. Ein absoluter Höhepunkt war die Performance, die Tom und Nora vorbereitet hatten. Tom hat natürlich Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Die beiden haben Lieder gesungen, einen Tanz vorgeführt und Quatsch gemacht. Abgerundet haben das Ganze zahlreiche Gemälde von Nora und ein Bilderbuch von Tom.

Und wenn sich der Tag dann dem Ende zuneigt, die Kinder so langsam bettfertig sind und man selbst auch schon ans Schlafen denkt sowie die Systeme runterfährt, kommt manchmal dann doch noch etwas, was den Tag so richtig komplett macht. Wieder einmal war Tom der Urheber der Frage des Tages: „Papa, lebst Du eigentlich noch, wenn Du das nächste Mal Geburtstag hast? Wir wollen dann nämlich wieder etwas vorführen.“ Und so wirst Du an Deinem 42. Geburtstag mit der Endlichkeit konfrontiert, ganz unvermittelt.

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Der letzte Weg eines Marienkäfers

Marc hat heute in der Lego-Kiste einen verendeten Marienkäfer entdeckt. Er hat ihm aus Lego-Steinen einen Sarg gebaut. Danach hat er das Ganze in ein Papier gewickelt und einen Grabspruch hinzugefügt. Ganz schön viel Mitgefühl.

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Transzendenz

Beim Grillen kann man schon auf eigentümliche Gedanken kommen. Während ich an Grill und Fleisch stand, haben sich Marc und Tom über Leben und Tod ausgetauscht.

Zentral war Marcs rhetorische Frage an Tom: „Wenn ein Mensch tot ist, dann kann er nie mehr leben. Stimmt’s Tom?“ Tom antwortete wie gewohnt klar und nüchtern: „Ja!“

Marc hat uns heute schon einmal gefragt, ob ein toter Mensch immer im Himmel bleiben muss oder auch wieder leben kann. Dabei hat er heute gar kein Fernsehen geschaut.

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