TagTraining

Edelstein am Abend

Ganz oft behandele ich hier gar nicht die objektiv ganz großen Dinge. Ja, ich versuche deutlich zu machen, dass selbst in den ganz alltäglichen Begegnungen mit unseren Kindern wahnsinnig viel steckt. Insofern setze ich um, was in dem Elternkurs Kess erziehen als Edelsteinmoment bezeichnet wird. Es geht um einen Moment der ganz innigen Beziehung zum Kind, der durch Achtsamkeit und Zuneigung geprägt ist – und für beide Seiten wertvoll.

Wintertraining

Wintertraining

Gestern Abend habe ich Marc vom Fußballtraining abgeholt. Einmal in der Woche nehme ich mir die Zeit, einen Teil des Trainings der Buben anzuschauen. Interessant: Jetzt nach der Winterpause haben sich alle ziemlich stark weiterentwickelt. Das betrifft vielleicht nicht unbedingt die fußballerischen Eigenschaften. Aber eben das, was dazugehört, um Fußballspielen zu können. Kraft, Körperlichkeit, Beweglichkeit, Konzentration. Schon das allein hat mich sehr beeindruckt.

Noch dem Training war Marc sehr wach. Und er hat mich mit seinen Gedanken überrascht. „Papa, kennst Du das auch? Du wolltest gerade eine Frage stellen, aber in dem gerade laufenden Gespräch wurde die Frage kurz vor dem Moment gestellt, bevor Du gefragt hast. Und obwohl die Antwort schon gegeben wurde, hast Du die Frage trotzdem noch gestellt. Also die Frage ist schon im Gehirn und muss nur noch aus dem Mund raus.“ Das hat mir gut gefallen, ich musste schmunzeln und natürlich sagen, dass ich das kenne. Darüber, vor allem über den konkreten Fall, haben wir dann auf dem Heimweg, den wir in der Regel zu Fuß antreten, wodurch mehr Zeit für Kommunikation bleibt, noch länger gesprochen. Das war für mich ein Edelsteinmoment, der über die kurze Episode hinaus an diesem Abend gewirkt hat.

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Der Reiz des frühen Urteils

Gestern habe ich wieder eine Lektion gelernt. Mein kleiner Sohn hat mich überrascht – und zwar gehörig.

Mit dem Start des Frühjahrs haben wir uns in den Kopf gesetzt: Jetzt könnte Tom langsam Fahrrad fahren lernen. Marc (Foto unten) war diesbezüglich ein echter Frühstarter. Er war schon als Bobbycar-Pilot ein Heizer, deutlich kamikazeartiger ging es auf dem Laufrad zu. Mit knapp drei Jahren ist er schon Rad gefahren. Nach fünf Übungseinheiten war es soweit. Stützräder waren absolut nicht notwendig – ich glaube sogar, dass sie es verhindern, rasch selbstständig mit dem Zweirad klar zu kommen.

Tom wird im Herbst fünf. Die eine oder andere gemeinsamen Fahrradtour im Sommer wäre eine ganz nette Sache. Also rauf auf den Drahtesel. Die ersten Tests vor wenigen Wochen waren ernüchternd. Pedale vor oder zurück?, Bremsen?, Wo ist der Fahrweg? – Fragen über Fragen. Und wir waren nicht in der Lage, die richtigen Antworten zu liefern. Ungeduld, Verzweiflung, Vorverurteilung.

„Oh Mann, dass wird noch ewig dauern, bis Tom das lernt!“ höre ich mich jetzt noch sagen. Sollten wir vielleicht doch die Stützräder montieren? Nein, so weit wollten wir nicht gehen. Sein Wille war da, er hätte weiter getestet. Wir haben gebremst. Das war und ist dumm.

Gestern ereilte mich bei der Heimkehr die frohe Botschaft. „Tom kann Radfahren!“ sagt meine Frau. Ich bin baff. Tatsächlich. Es klappt. Beim Bremsen hapert es noch – aber das schafft er nun sicher auch schnell drauf. Fünf Mal hat er mich gefragt: „Mach ich das gut mit dem Radfahren?“ Er hat unsere völlig unberechtigte Ungeduld und Unzufriedenheit gespürt. Und er hat sich durchgebissen. Er hat es geschafft. Im Prinzip ganz alleine – an seine skeptischen Eltern vorbei. Es ist eben doch sehr reizvoll, sein Urteil früh zu fällen. Nach dieser Lektion sollte es mir schwerer fallen.

Einen zweiten Höhepunkt des gestrigen Tages möchte ich noch kurz erwähnen. Ich habe es geschafft, einmal eine Stunde früher von der Arbeit zu Hause zu sein. So konnte ich noch eine Viertelstunde beim Fußball-Training der G-Jugend zuschauen. Dazu nur so viel: Das war echte Qualitätszeit mit Marc.

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