TagVatersein

Durchwachte Nacht, durchwachte Nacht

In der vergangenen Nacht habe ich ein weiteres Mal den Weg ins Wohnzimmer angetreten – unsere kleine Tochter im Schlepptau. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie spät es war. Am Wochenende sind die Uhrzeiten irgendwie schon egal. Ich weiß noch, dass ich nicht der erste war, der in dieser Nacht das Vergnügen mit der kleinen Dame hatte. Meine Frau war schon mit ihr unterwegs.

Als ích so mit Nora auf dem Sofa lag, während sie versuchte in den Schlaf zu finden, hatte ich mal wieder Zeit nachzudenken. Ich habe darüber nachgedacht, welche Herausforderungen das Elternsein oder das Vatersein auszeichnen.

Wenn die Kinder krank sind, es ihnen schlecht geht, das sind ganz schwierige Zeiten. Dabei muss es sich gar nicht um ganz schlimme Krankheiten handeln. Ein krankes Kind bringt den dicht getakteten Alltag immer ordentlich durcheinander. Organisation und Plan wird durchkreuzt, aber auch der eigene Geist kann sich nicht mehr richtig auf das Alltägliche konzentrieren. Man wird stark abgelenkt, ist mit seinen Gedanken beim Kind, beim Partner, der beim Kind ist.

Der zweite banale Punkt, über den ich mich hier heute auslassen will, steht teilweise mit dem ersten Aspekt in Zusammenhang. Muss er aber nicht. Unausgeschlafen sein und nachts durch die Wohnung irren ist für mich eine der härtesten Proben als Vater. Man merkt, wie einem Nacht für Nacht die Kraft mehr schwindet. Die Gefühle fahren Achterbahn. Einmal ist es ein Leichtes, Verständnis für das Kind aufzubringen. In einer anderen Nacht wieder wünscht man das Kind zur Hölle. Auch die letzte Empfindung muss man zulassen, finden wir. Deshalb liebt man sein Kind ja nicht weniger.

Kinder sind aus überlebensstrategischen Gründen mit einem unglaublichen Egoismus ausgestattet. Wir Erwachsenen haben gelernt, Rücksicht zu nehmen, auf die eigenen Kinder sowieso. Man muss sich als Vater oder Mutter eben ganz oft zurücknehmen. Macht man ja auch gern. Meistens. nachts nicht immer, manchmal mehr, manchmal weniger. Die kindliche Kraftsaugerei bringt einen gelegentlich an seine Grenzen. Wenn es morgen wird, und man wenigstens ein paar Stunden schlafen konnte, sind die Akkus wieder einigermaßen aufgeladen, bis zur nächsten Nacht.

Banale Dinge mit großer Wirkung. Die Statistik und Meinungsforschung sagt uns immer wieder: Die Männer in festen Beziehungen sind häufig Schuld daran, dass eine Partnerschaft kinderlos bleibt. Die Männer wollen nicht. Männer sind einfach zu bequem. Sie wollen sich offensichtlich weder den Alltag durcheinander wirbeln lassen noch die Nachtruhe rauben lassen.

Da wir hier aber unter anderem auch für eine aktive Vaterschaft werben wollen, muss man natürlich auch erwähnen, dass genau die negativen Dinge auch voller positiven und intensiven Erlebens sind. Ganz großes Kino: Das Spiegeln des Selbst im Kind. Ich bin übrigens kein großer Freund von irgendwelchen Rezeptbüchern, in denen steht, was zu tun ist, um bestimmte (nervende und störende) Eigenschaften der Kinder abzustellen. Wer die Fähigkeit zur Selbstreflexion hat und sich und sein Tun auch immer wieder einmal in Frage stellen kann, der macht schon das Richtige. Und wenn er dann merkt, dass das Verhalten der Kinder ihn unglaublich nach vorne bringen, dann weiß der Vater auch, warum er gern nächstens durchs Haus irrt, wenn es in der konkreten Situation nicht immer so leicht fällt.

Gern würde ich gerade zu diesem sehr persönlichen Thema einmal die Meinung der versprengten Leserschaft lesen. Nur zu, Kommentare sind ausdrücklich gewünscht.

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Der Milchzahn-Zyklus – Ein Gespräch mit Thomas Scholtyssek

Web 2.0 heißt Vernetzung. Und wenn man ein Blog wie dieses betreibt, dann entsteht die Vernetzung wie von selbst. Die Auseinandersetzung mit dem Vatersein findet an vielen Stellen im Netz statt, aber natürlich nicht nur dort. Über Twitter habe ich kürzlich Thomas Scholtyssek (@tscholty) kennengelernt. Er ist der Autor des Buches „Achterbahn zum ersten Milchzahn: Vater werden – mein Abenteuer mit Happyend“. Er ist 42 Jahre alt, arbeitet als Bauingenieur und lebt mit seiner Frau und dem 3,5 Jahre alten Sohn Marlon in Norddeutschland. Wir haben uns über das Buch, das Vatersein, die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Schreiben sowie seine weiteren Pläne unterhalten.

Von passionpapa

Passionpapa.de: Du hast eine Familie, Du arbeitest und Du schreibst Bücher. Die beiden ersten Punkte bedeuten ja schon volles Programm. Was genau hat Dich dazu gebracht, Deine Erfahrungen rund ums Elternsein aufzuschreiben?

Thomas Scholtyssek: Meine Frau Nicole hatte in der 32. Schwangerschaftswoche eine Schwangerschaftsvergiftung erlitten, das sogenannte – leider immer noch relativ unbekannte – HELLP Syndrom. Ich wollte auf dieses Syndrom unbedingt aufmerksam machen und das Erlebte verarbeiten. Das war der Auslöser zur Idee, ein Elterbuch zu schreiben. Hinzugekommen sind im Laufe der Zeit auch viele humorvolle Erlebnisse zum Thema Elternzeit und Vatermonate. Des Weiteren war es mir wichtig, andere werdende und frischgebackene Eltern zu informieren und zu erheitern.

Wie kam der Kontakt mit dem Sankt Ulrich Verlag aus Augsburg zustande? Hast Du viele Absagen bekommen, bevor Du einen Verlag gefunden hast?

Ohja, gerade zu Anfang habe ich einige Absagen bekommen bzw. überhaupt keine Antworten erhalten. Ich habe mir also über das Internet mögliche Verlage rausgesucht und die entsprechenden Unterlagen versendet. Relativ schnell kamen die ersten Angebote von sogenannten Druckzuschusskosten-Verlagen. Da ich aber mit meinem Buch in keine finanzielle Vorleistung gehen wollte, kam so eine Art von Vertrag für mich nicht in Frage. Zum Schluss hatte ich dann einfach das große Glück, aus mehreren Verlagen auswählen zu können. Meine Wahl viel auf dem Sankt Ulrich Verlag aus Augsburg weil ich hierbei das beste Gefühl hatte – was sich in nachhinein betrachtet ja auch bestätigt hat. Generell kann man sagen, man benötigt auf jeden Fall bei der Verlagssuche viel Geduld und sollte rechtzeitig damit beginnen. Das merke ich momentan leider auch bei dem gerade fertig gestellten Nachfolgebuch von „Achterbahn zum ersten Milchzahn“

Heute ist man sicher als Autor noch mehr gefordert als früher, selbst die Werbetrommel zu rühren, um Erfolg zu haben? Wie promotest Du Dein Buch?

Ich denke eine gesunde Mischung ist wichtig. Einen Großteil der Werbung (z.B. im Thalia-Magazin etc.) übernimmt im Idealfall zumindest zu Anfang der Verlag. Als Autor selbst, muss man versuchen, auf sein Buch aufmerksam zu machen – vor allem mit Buchpräsentationen und Lesungen. Ganz wichtig ist die Werbung im Internet. Hierzu gehört u.a. die Präsentation im Internet per Homepage, in weiteren Netzwerken usw. Der Kontakt zu Euch, also Passionpapa, ist ja auch über Twitter zustande gekommen. Mein Buch „Achterbahn zum ersten Milchzahn“ (ISBN 978-3-6744-114-8) ist in der Schweiz, Österreich und Deutschland veröffentlicht worden und eigentlich überall erhältlich bzw. bestellbar.

Von Ablagebox

Was war Dein bisher schönstes Erlebnis im Bezug auf den Erfolg von „Achterbahn zum ersten Milchzahn“?

Eindeutig die Buchpräsentation als Deutschlandpremiere bei Thalia inklusive anschließender Signierstunde, bei der unter anderem einige schwangere Frauen anwesend waren und diverse Fragen hatten. Ein tolles Gefühl. Generell habe ich zu meinem Buch viel positive Kritik erfahren, was mich natürlich freut. Viele Eltern und auch Frauen, die ebenfalls an dem HELLP Syndrom erkrankt waren suchen Kontakt und berichten, dass sie sich und viele Situationen in meinem Buch wieder gefunden haben. Und auch einige Väter haben Rückmeldung gegeben.

Du hast vorhin das Nachfolgebuch angesprochen. Wie lautet der Titel und was erwartet den Leser?

Das Nachfolgebuch habe ich gerade fertig gestellt. Es schließt zwar an „Achterbahn zum ersten Milchzahn“ an, ist aber als unabhängiges Buch geschrieben. Der Arbeitstitel lautet „Milchzahn der Zweite – Jetzt rede ich“ und ist, wie der Titel schon verrät, diesmal aus der humorvollen Sicht meines Sohnes (also aus der Sicht eines Kleinkindes) geschrieben. Natürlich wieder in Kombination mit vielen Tipps und Tricks für Eltern. Wenn ich „Achterbahn zum ersten Milchzahn“ mit „Milchzahn der Zweite“ vergleichen soll, so würde ich sagen, dass das erste Buch auf den dramatischen Erlebnissen zum Thema HELLP Syndrom basiert und das Nachfolgebuch auf den Erfahrungen zu Themen wie Kindergartenerlebnisse, Schlafverhalten, Kinderkrankheiten, Erziehung usw. Ich denke beim zweiten Buch kann man noch mehr schmunzeln, als beim ersten und so soll das ja auch sein.

Du hast es schon angedeutet. Wird „Milchzahn der Zweite“ diesmal nicht im Sankt Ulrich Verlag erscheinen ?

Leider ist das so, wobei aus meiner Sicht wirklich nichts dagegen gesprochen hätte. Ich fühle mich beim Sankt Ulrich Verlag sehr gut aufgehoben, aber der Verlag hat vor kurzem entschieden, dass „Milchzahn der Zweite“ nicht so richtig ins Verlagsprogramm passt und mir eine Absage erteilt. Zur Erklärung: Der Sankt Ulrich Verlag veröffentlicht hauptsächlich Bücher mit dem Themenschwerpunkt Religion und Lebenshilfe/Ratgeber. Als mögliche Rubrik wäre aus meiner Sicht noch „Erziehung“ in Frage gekommen. Hat leider aber nicht geklappt. Wie gesagt, es ist eine unterhaltsame Mischung zwischen Ratgeber und Erlebnissen aus der Sicht eines Kleinkindes.

Du suchst also einen Verlag?

So kann man das sagen. Ich mache mich momentan schlau, zu welchem Verlagsprogramm das neue Buch gut passen würde und versende anschließend die entsprechenden Unterlagen. Von Thalia habe ich netterweise erneut die Möglichkeit angeboten bekommen, auch das neue Buch dort als Buchpremiere präsentieren zu dürfen, sobald es veröffentlicht wird.  Falls ein Verlag diese Zeilen liest und sich angesprochen fühlt und Interesse zeigt, kann er sich gern per Mail (marlonsmilchzahn@live.de) bei mir melden.

Wie bekommst Du Familie, Beruf und Schreiben unter einen Hut. Bleibt da noch Zeit um selbst mal ein Buch zu lesen?

Früher (die Zeit vor dem Nachwuchs) habe ich viel gelesen. Dann wurde es zeitbedingt immer weniger und begrenzte sich zum Schluss auf meine Urlaube. Mittlerweile finde ich kaum noch die Möglichkeit, in Ruhe ein Buch zu lesen. Es ist in der Tat schwierig, all die genanten Punkte unter einen Hut zu bekommen. Mein Beruf als Bauingenieur ist ein Fulltimejob und meine Familie soll natürlich auch nicht zu kurz kommen. Mein Sohn Marlon ist 3,5 Jahre alt und fordert meine ganze Aufmerksamkeit, wenn ich nach Hause komme. Das Schöne ist: Ich kann mich beim Spielen mit ihm wunderbar entspannen und er entdeckt gerade sein großes Interesse für Fußball. Auf jeden Fall muss man sich die zur Verfügung stehende Zeit sehr genau einteilen.

Wird es eigentlich noch weitere Bücher von Dir geben?

Wenn die Zeit es zulässt, mit Sicherheit. Ich habe viel Freude beim Schreiben und denke, es ist ein schönes Hobby. Ich habe schon wieder einige Sachen im Kopf, die sich aber wieder mit einem völlig anderen Thema beschäftigen werden. Und wer weiß, vielleicht wird mein nächstes Buch ein Roman? Ich denke, man muss den Leser auch immer wieder überraschen um nicht irgendwann in einer bestimmten Schublade zu verschwinden. Aber aktuell muss ich mich natürlich erstmal primär um die Verlagssuche für mein neues Buch „Milchzahn der Zweite – Jetzt rede ich“ kümmern.

Thomas, ich wünsche Dir dafür viel Geduld und schließlich Erfolg. Vielen Dank für das Gespräch.

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Neue Väter

Die Hessenstiftung mit Sitz in Bensheim hat einen Entwurfwettbewerb ausgelobt, um ihr Anliegen einer besserern Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu untermauern. Als Zielgruppe für den Wettbewerb „Neue Väter“ wurde ein sehr junge Zielgruppe gewählt. Nachwuchsgrafiker aus Agenturen, Studierende von Universitäten und Fachhochschulen sowie Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen und Gymnasien waren aufgerufen, ihre Entwürfe von engagierten Vätern und Männern in ungewohnten Rollen einzureichen.

Das ist ein guter Ansatz, so machen die jungen Leute, die ihren Lebensentwurf noch basteln und ihn dann umsetzen sollen und wollen, sich auch schon einmal mit diesem Thema vertraut. Gerade befindet sich die Wanderausstellung der zehn besten Entwürfe an ihrer ersten Station in Korbach. Ein sechsköpfige Jury hat die Auswahl getroffen.

Das beste der zehn Plakate gefällt auch mir am besten. Die Urheberin Katharina Elert besucht das Freiherr-von-Stein Gymnasium in Fulda. In ihrer Entwurfbeschreibung heißt es: „Ich beabsichtige, die väterliche Beteiligung an der Erziehung schmackhafter zu gestalten, indem ich auf humorvoller Basis eine Brücke zwischen männlichem Interesse und Kind aufzubauen versuche.“ Das Ganze hat etwa Appellatives. Grundannahme: Die Männer haben eigentlich nicht so richtig Lust aufs Vater sein.

Diesen Ansatz, der auch bei dem Werk von Elerts Schulkameradin Maria Blum aufscheint, werfe ich den jungen Künstlerinnen gar nicht vor. Die Motive sind und bleiben dennoch gut. Das Rollenverständnis der Männer befindet sich ja tatsächlich erst im Umbruch. Man bekommt häufig zu hören, dass die Männer keine Lust auf Familie haben. Sie sind sicher meist die Bremser, wenn das Thema Familienplanung auf dem Tisch liegt. Sind die Männer dann erstmal Väter, dann nehmen sie diese Rolle doch aber auch häufig und immer häufiger mit Freude an – davon bin ich fest überzeugt.

Das Bemühungen der Hessenstiftung im Bereich „Väter in Familie und Beruf“ kann man nur unterstützen. Mit ihrer Arbeit wie eben diesem Entwurfwettbewerb und der anschließenden Wanderausstellung können bespielsweise auch die Entscheider in Unternehmen erreicht werden, die meist mit den Themen Work-Life-Balance und modernem Vatersein nicht so recht vertraut sind – um es einmal einigermaßen wertfrei auszudrücken.

Hier sind die Plakate zu sehen:

Korbach noch bis zum 26. Juni

Eschwege 29. Juni bis 10. Juli

Fulda 13. bis 24. Juli

Bad Hersfeld 27. Juli bis 14. August

Villmar/Lahn 17. bis 28. August

Friedberg 8. bis 18. September

Langen 21. September bis 2. Oktober

Griesheim 5. bis 16. Oktober

Offenbach 19. bis 30. Oktober

Heppenheim 2. bis 13. November

Frankfurt-Höchst 16. bis 27. November

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